Stille Geburt

Wenn Geburt und Tod zusammenfallen
und Kennenlernen zugleich Abschiednehmen ist

Jedes Leben ist in der Tat ein Geschenk egal wie kurz, egal wie        zerbrechlich.
Jedes Leben ist ein Geschenk, welches für immer in unserem Herzen weiterleben wird.“ (Hannah Lothrop)

Schwangerschaft bedeutet Hoffnung - Freude - Zukunft - Leben.
Wenn das Baby in der Schwangerschaft stirbt, geraten Eltern in einen unbeschreiblichen Schockzustand und erleben Ohnmacht, Trauer, Angst, Verzweiflung.
Viele Frauen möchten die Geburt und alles weitere möglichst schnell hinter sich bringen. Es ist gut zu verstehen, wenn man das Erlebte am liebsten ungeschehen machen und aus der Erinnerung streichen möchte. 

Aber Abschieds- und Bestattungsrituale können eine wichtige tröstliche Erfahrung werden.
Und wenn es noch so viel Angst macht und noch so weh tut, nehmen Sie sich Zeit, Ihr Baby kennenzulernen.
Es anschauen,  vielleicht im Arm halten (auch mehrmals), ihm einen Namen geben, Fotos machen für später... und sich in aller Ruhe auf ganz persönliche Weise von ihm verabschieden, vielleicht auch mit der Familie - all das kann helfen, mit dem Schmerz und der Trauer umzugehen. Viele Eltern stellen erst im Nachhinein fest, wie wichtig gerade diese letzte gemeinsame Zeit mit ihrem Baby war.

Orte zum Abschied nehmen
Zunächst ist der Ort des Abschieds natürlich der Ort, an dem das Kind zur Welt kommt. Ist das ein Krankenhaus, können Sie trotzdem auch in Ihrer Wohnung von Ihrem Baby Abschied nehmen und haben viel Zeit, Ihre Familie und Ihre Freunde einzubeziehen. Wenn Sie Ihr Baby in unsere Obhut geben möchten, haben Sie auch in unseren Räumen soviel Zeit zum Abschiednehmen, wie Sie möchten.

Zur Frage der individuellen Bestattung
Vorab die rechtliche Situation: Wenn ein Baby tot zur Welt kommt, haben Eltern in NRW einen Anspruch darauf, ihr Kind individuell zu bestatten, auch wenn es noch so klein ist. Dafür haben betroffene Eltern viele Jahre lang gekämpft. Sie können es ggf. in einer vorhandenen Grabstätte beisetzen lassen oder in einem eigenen Kindergrab. Wenn sie das nicht möchten, ist in NRW das Krankenhaus, in dem es geboren wurde, zur Bestattung verpflichtet. Das geschieht im allgemeinen in Form von Sammelbestattungen in regelmäßigen Abständen, meist zwei- bis viermal im Jahr. Die stillgeborenen Kinder des Dorstener Krankenhauses werden jeweils gemeinsam in einem Sarg auf dem Gräberfeld auf dem Friedhof St. Agatha bestattet. Alle Eltern mit Geschwisterkindern, Angehörigen und Freunden werden vom Krankenhaus dazu eingeladen.

mehr dazu unter Fehl- und Totgeborene Kinder


Auch das Bestattungsritual und das Grab - bei einer gemeinschaftlichen wie auch bei einer individuellen Bestattung - helfen zu begreifen. Sie machen das kurze Dasein des Kindes real und würdigen es. Und sie geben der Trauer Raum.
Am Anfang ist der Gedanke an eine Bestattung oft so unerträglich, dass man ihn erst mal beiseite schiebt. Aber Gedanken und Gefühle ändern sich, manchmal schon innerhalb von Stunden oder Tagen, manchmal dauert es lange.

Deshalb ist unser Rat, wenn Sie in dieser Situation sind: Lassen Sie sich Zeit, um herauszufinden, ob eine individuelle Bestattung und ein persönliches Grab für Sie wichtig ist. Hilfreich ist nach unserer Erfahrung, sich zu informieren, das Gespräch zu suchen, eventuell auch mit anderen Betroffenen. Wir beraten Sie gern im persönlichen Gespräch.

Auch wenn Sie zunächst die Sammelbestattung gewählt haben, können Sie sich bis kurz vor dem Termin immer noch für eine individuelle Bestattung entscheiden.

Manchmal entschließen sich Eltern aus Angst vor Kosten für eine gemeinschaftliche Bestattung. Auch in diesem Fall möchten wir Ihnen Mut machen, sich zunächst beraten zu lassen über die Möglichkeiten, die Sie haben. Danach können Sie immer noch frei entscheiden.

Sie können, wenn Sie möchten, vieles selbst machen. Oft haben Eltern  eigene Ideen, wie sie z. B. den kleinen Sarg (Kästchen...) selbst bauen und gestalten möchten. Es gibt eine Fülle von Möglichkeiten, die letzten Dinge zu gestalten. 

Im Gespräch mit Ihnen können wir gemeinsam herausfinden, was zu Ihren Empfindungen und Wünschen passt.

Weitere Hilfen und Informationen:

  • ein Buch, das weiterhilft
  • Austausch mit anderen betroffenen Eltern:  Abschied, Trauer, Hoffnung - eine Gruppe für Mütter und Väter, deren Kind während der Schwangerschaft  oder kurz nach der Geburt gestorben ist - regelmäßige Treffen im Paul-Gerhardt-Haus. Für weitere Infos rufen Sie uns einfach an.      
  • ein Dokumentarfilm zum Thema

EIN HINWEIS AUS AKTUELLEM ANLASS 2012

Alle totgeborenen Kinder, also auch die ganz Kleinen sollen künftig eine Geburtsurkunde bekommen!